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Israel Roadtrip

Gewalt, Krieg, Attentate, das waren meine ersten Gedanken zu Israel. Dass dies nicht der Realität entspricht war mir klar, aber Bedenken über solche Themen liegen bei einem Reiseland wie Israel nahe, zumal mich meine vergangenen Reisen ausschließlich in westlich geprägte Länder führten. Somit war klar, diese Reise wird anders, etwas Besonderes. Von Tel Aviv aus folgte die Route dem Toten Meer, Jerusalem, Bethlehem, Jericho, See Genezareth, Nazareth, Haifa und wieder zurück nach Tel Aviv.

Das Abenteuer sollte bereits in München am Flughafen beginnen. In einem separaten Sicherheitsbereich werden die Fluggäste in Richtung Israel abgefertigt und dabei einzeln „verhört“. Ungewöhnlich und für uns unvorstellbar, aber bei Reisen von und nach Israel Alltag und im Nachhinein nichts Unangenehmes.

Anflug auf Tel Aviv
Anflug auf Tel Aviv

Das Felsplateau Masada bietet mit seiner Lage hoch über der judäischen Wüste eine geniale Aussicht in Richtung Jordanien und Totes Meer. Seinen traurigen Höhepunkt fand die Felsenfestung im Jahr 72, durch einen der größten Massenselbstmorde unserer Geschichte. 

Ausgestreckt im Wasser liegen, ohne Sorgen im nächsten Augenblick abzusaufen, sicherlich ein Traum vieler. Das Tote Meer, mit seinem Salzgehalt von 28 Prozent, gibt einem dazu die Möglichkeit. Die ersten Versuche fühlen sich fremd an, der Auftrieb ist weitaus größer als ich ihn mir vorgestellt habe.    

Hergerissen zwischen Moderne und Antike präsentierte sich Jerusalem. Ein Ort an dem ein bedeutender Teil unserer Geschichte, verschiedene Religionen und Kulturen aufeinandertreffen. Diese besondere Spannung, die über der Stadt liegt, kann man auf vielfältige Art und Weise spüren. Sei es am Yad Vashem, dem weltweit größten Holocaustmahnmal, oder auf dem Tempelplatz, dem größten jüdischen Friedhof, oder der unzähligen biblischen Orte. Das ehrfürchtigste Erlebnis war sicherlich der Besuch einer Schabbat-Feier in der großen Synagoge. Ein Ereignis das man sich als Israeltourist keinesfalls entgehen lassen sollte.

Klagemauer
Klagemauer

Ist man in Jerusalem, so liegt ein Stopp im nahegelegenen Bethlehem nahe. Hinter der Mauer die, das Land seit 2002 trennt, wartet ein anders Leben, wiederum sehr beeindruckend allerdings auf seine eigene Art. Fakten Murkaker, eine in Deutschland aufgewachsene Palästinenserin, schilderte uns bei einem palästinensischen Mittagessen ihre Sicht auf die politische Situation. Während die Grenzmauer das markanteste Zeichen der israelischen Unterdrückung darstellt, so ist sie gleichzeitig auch ein einzigartiges Kunstwerk, das einen mit seinen unzähligen Graffitis in den Bann zieht.    

Ein harter Kontrast erfährt man beim Verlassen von Israel in Richtung Westjordanland. Das Ergebnis der jahrzehntelangen Unterdrückung wird sofort ersichtlich. So sind viele Gebäude zerstört oder zerfallen, die Bevölkerung erscheint ärmer, alles erscheint grau und trocken. Dennoch ist die Reise durch diesen Konfliktträchtigen Abschnitt ein besonderes Erlebnis.

Ebenso prägend wie Jericho gestaltet sich die weitere Fahrt in Richtung Norden entlang der jordanischen Grenze. Was für uns, insbesondere der jüngeren Generation, fremd ist, ist hier normaler Alltag. Eine befestigte Grenze mit Minenfeldern, Stacheldraht und Wachtürmen, Relikte aus vergangener Zeit.

Einst waren die Regionen um den See Genezareth und entlang des Jordans die fruchtbarsten Flächen des Vorderen Orients. Auch heute werden die Flächen noch landwirtschaftlich genutzt, allerdings leidet die Wasserqualität und -menge durch den steigenden Wasserbedarf für die Landwirtschaft aber auch Trinkwasser sehr. Die stärksten Auswirkungen werden jedoch erst an den Ufern des Toten Meers sichtbar. Wo vor einigen Jahrzehnten der Wasserzugang direkt möglich war, muss man heute einige Kilometer weit laufen. 

Im harten Kontrast zu Jerusalem steht Tel Aviv. Hier wird auf den ersten Blick weitaus weniger Tradition gelebt und weniger Religion offen auf der Straße getragen, insgesamt erscheint die Stadt oder zumindest die Neustadt eher westlich geprägt. Die hinter der Uferpromenade gelegenen Gebäude könnte man schon fast als Skyline betrachten und in Kombination mit dem weißen Sandstrand, Surfern und Badegästen wird der Unterschied wirklich sichtbar. Ganz im Gegenteil dazu präsentiert sich die Altstadt Jaffa, die als Seefahrerstadt gegründet wurde und deren Gebäude und Gemäuer bis heute überdauerten.

Eine besondere Reise, einzigartig und prägend zugleich kann ich sie im Nachhinein beschreiben. Vieles lässt sich vor Ort besser als über die Nachrichtenerstattung verstehen, vieles verwirrt aber auch oder es wird zumindest klar, dass hier weit mehr als politische und religiöse Interessen im Spiel sind.

Israel hat mich gefesselt und wird mich definitiv wieder in Empfang nehmen müssen, allerdings das nächste Mal im Sommer. Stellenweise war es doch relativ kalt, in den Golanhöhen an der Grenze zu Syrien und in Bethlehem wurden wir sogar vom Schnee überrascht.